In ein paar Tagen jährt sich zum 40. mal der Tag des Mauerbaus. Wenn gegenwärtig in Zeitungen an den antifaschistischen Schutzwall erinnert wird, dann immer mit allerlei Illustrationen: Ja, so sah das einmal aus.
Über den Skandal, daß jeder noch so zweifelhafte architektonische Entwurf unter Denkmalsschutz gestellt wird, die Mauer jedoch beinahe komplett verschwunden ist, darüber redet kaum einer.
Kindern zu erklären, was diese Stadt einstmals trennte, ist ein schier unmögliches Unterfangen. Vielleicht eine der größten Sünden der Berliner Nachwendepolitik.
Manche allerdings, die kämpfen darum, die Erinnerung wachzuhalten und einer der Erinnerungskämpfer hatte heute überraschenden Erfolg, wie Joachim Rüetschi berichten kann.

Einparken vor einem ungewöhnlichen Termin beim Bezirksamt Mitte, im Gepäck ein lustiges Spielzeug von historischer Bedeutung: Die Berliner Mauer im Styropor-Kleinformat. Allerdings, Hans Martin Fleischer besitzt auch die dazu passenden Originale.
Fleischer: „Ich persönlich bin Eigentümer dieser Stücke, und meine Idee ist es, die Originalteile, die in einer Halle in Brandenburg lagern, an den originalen Standort zurückzubringen, als Denkmal für den Mauerfall.“
Das Problem: Der Originalstandort ist mitten auf dem Potsdamer Platz, aber schließlich sind es nicht irgendwelche Mauerteile.
Fleischer: „Es sind wirklich die welthistorisch bedeutendsten Stücke der Berliner Mauer, nicht mehr und nicht weniger, und ich bin nach wie vor der Ansicht, daß diese Stücke an den originalen Standort zurückkehren sollten.“
Sprach´s und verschwand erstmal in der Hoffnung einer Erlaubnis zum Aufstellen der Attrappen zu erhalten. Mal zum eingewöhnen. Und noch ein Problem: Das Ding ist ganz schön sperrig...
Fleischer: „Die habe ich selbst gebaut. Eine Woche richtig harte Arbeit. Also, am liebsten wäre mir ein Zeitraum zwischen dem 13. August und dem 9. November diesen Jahres, um sozusagen Mauerbau und Mauerfall - ein bißchen komprimiert darzustellen.“
Und trotz falscher Mauer trifft der 38jährige auf einen echten Stadtrat. Und - man glaubt es kaum - die Behörde erteilt eine unbürokratische Sofortgenehmigung.
Also flugs ´rüber zum Potsdamer Platz für eine kurze Probe.
Fleischer: „Es gibt in Berlin sehr viele Denkmäler, die an die Teilung der Stadt erinnern, an die Opfer der Mauer, was auch völlig richtig ist, völlig klar, aber das verdeckt so ein bißchen den Blick auf den positiven Aspekt des Mauerfalls.“
Auch dem Baustadtrat paßt diese Idee ebenso wie den Passanten ganz gut ins Bild.
Dirk Lamprecht (CDU): „Ich find´s gut, es ist ein schönes Stück Erinnerung und es zeigt auch den Kontrast zwischen dem neuen Berlin was hier gewachsen ist und der historischen Dimension, die an diesem Platz sich abgespielt hat.“
Doch Fleischers Mission ist damit noch nicht erfüllt. Er möchte noch einen d´raufsetzen und die richtigen Teile herholen.




